Aktuelles

26.05.2017 14:44

Öffentliche Stellungnahme der Fachschaft

zu den Vorfällen beim „Paedfeschd“ vom 12. Mai 2017

Wir, Studierende aus der Fachschaft Erziehungswissenschaft, haben uns im Laufe der vergangenen Woche intensiv mit den Entwicklungen des „Paedfeschds“ auseinandergesetzt, das am 12. Mai 2017 stattfand. Wir sind derzeit noch in einem Prozess, in dem wir die vielen Fragen, die aufgeworfen wurden, Stück für Stück zu beantworten suchen.

 

Wir können in keinem Fall für alle Betroffenen sprechen. Unsere Beschreibung der Vorfälle bleibt immer nur ein unvollständiger Ausschnitt. In unserer ersten Stellungnahme auf unserer Facebook-Seite vom 17.05.2017 beschrieben wir, dass es auf dem Paedfeschd „zu massiven Grenzverletzungen und sexuellen Belästigungen“ kam. Dies hat die Frage aufgeworfen, was genau an dem Abend passiert sei. Betroffene Fachschaftsmitglieder berichten, dass sie im späteren Verlauf des Abends von Einzelpersonen teils penetrant angemacht, teils unangenehm angetanzt und unangenehm angefasst oder verbal angegangen wurden. Dabei konnten wir keine (organisierte) Gruppe ausmachen, die abgesprochen agierte. Wir haben eine solche Situation nicht erwartet.

 

Im Anschluss an die Veranstaltung haben wir versucht, die Vorfälle des Abends gemeinsam mit den Mitarbeitenden des Epplehaus zu rekonstruieren. Allerdings ist die Situation als Ganzes für uns erst nach dem Ende der Veranstaltung und in den darauffolgenden Tagen sichtbarer geworden.

 

Wir hatten uns daher am Mittwoch nach dem Paedfeschd zu Wort gemeldet, um den Betroffenen zu signalisieren, dass wir die Vorkommnisse nicht ignorieren, diese ernst nehmen und uns bewusst sind, dass eine Nachbearbeitung unabdingbar ist. Für diese Nachbearbeitung fühlen wir uns verantwortlich und werden dabei für unsere zukünftigen Veranstaltungen Konsequenzen ziehen. In diesem Zusammenhang sind wir offen für eine Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

 

Wir wollten und wollen die Geschehnisse nicht verschweigen, sondern offen thematisieren.

 

Um die betroffenen Besucherinnen und Besucher zu erreichen, entschieden wir uns deshalb dafür, über das Medium Facebook, eine erste Stellungnahme zum Paedfeschd zu veröffentlichen.

 

Daraufhin folgten Reaktionen von der Stadtverwaltung, der Presse und anderen Stimmen.

 

Die darin enthaltenen Verknüpfungen von Hautfarbe und Herkunft mit sexuellen Belästigungen, sowie daraus folgende gruppenbezogene Anfeindungen haben uns erschreckt. Bewusst entschieden wir deshalb, dass Facebook für uns kein angemessener Ort für die Diskussion über die Vorfälle ist. Wir wollten uns bedacht zu der Thematik äußern und haben deswegen beschlossen, dass wir trotz oder vielmehr: gerade wegen des großen medialen Andrangs keine weiteren schnellen Stellungnahmen verfassen werden. Aus unserer Sicht bedarf die Auseinandersetzung mit der Thematik einen respektvollen Umgang und einen geschützten Raum, in dem sich Betroffene äußern können.

 

Sexuelle Belästigungen sind ein großes Problem, gegen das - unabhängig von Hautfarbe und Herkunft - entschlossen vorgegangen werden muss. Die Täter müssen individuell strafrechtlich verfolgt werden. Die Betroffenen müssen geschützt und unterstützt werden. Mit Rücksicht auf das laufende strafrechtliche Ermittlungsverfahren bitten wir um Verständnis dafür, dass wir uns bis zum Abschluss der Ermittlungen zu den konkreten Vorgängen vom 12. Mai 2017 nicht mehr öffentlich äußern werden.

 

Wir halten es für wichtig, dass sich alle Beteiligten fragen: Was hilft den Betroffenen und wie können sie geschützt werden? Wie kann man sexuellen Belästigungen entgegentreten? Wie kann der Umgang mit den Tätern individuell, ohne diskriminierende Gruppenzuweisungen, erfolgen?

 

Um diesen und anderen Fragen Raum zu geben, plant das Institut für Erziehungswissenschaft und kooperierende Netzwerke eine Veranstaltung in den kommenden Wochen. Hier soll der Thematik fachlich und sachlich begegnet werden.

 

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Text vom Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik BW: http://www.rassismuskritik-bw.de/sprechen-ueber-sexualisierte-gewalt/http://www.rassismuskritik-bw.de/sprechen-ueber-sexualisierte-gewalt/ 

 

Fachschaft Erziehungswissenschaft

sef-info[at]uni-tuebingen.de