Sozialpädagogiktag 2017

24. und 25. November 2017

 

Sicherheit. (K)ein Thema für Soziale Arbeit?

 

Sicherheit ist ein vieldiskutiertes Gut. Sie besteht nicht nur in  den Formen sozialer Sicherheit, die durch die Leistungen des Rechts- und Wohlfahrtsstaates und der Zivilgesellschaft erbracht werden; in ihrem Bezug auf  die Bearbeitung  von Unsicherheit bildet sie vielmehr eine grundlegende Qualität des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen und der Lebensgestaltung aller Altersgruppen.


Soziale Arbeit ist Teil dieser Gewährleistung von Sicherheit. Dabei hat sie die Aufgabe,  Menschen zu  unterstützen, die z.B. den Verlust an gesicherten Freiheitsrechten erfahren, vor strukturellen Einschränkungen ihrer Lebenswelten stehen und in ihren biographischen Lebensentwürfen mit psychosozialer Unsicherheit konfrontiert sind. Soziale Arbeit unterstützt Menschen z.B. durch Bereitstellung von „sicheren Orten“ und Schutz bei akuten Bedrohungen und Krisen, durch Angebote zur Bewältigung von Angst und Destruktion, durch die Stärkung persönlicher und sozialer Selbstbestimmungsrechte, aber auch in der Alltagsbegleitung und strukturellen Mitgestaltung von Räumen und sozialen Beziehungen.


Zugleich richtet Soziale Arbeit ihren kritischen Blick auf die Ambivalenzen: auf  die Spannung zwischen „Versicherheitlichung“ und Unsicherheit, auf die Risiken und Sicherheitsbedürfnisse in den Lebenswelten, und nicht zuletzt auf die traditionelle Spannung von Hilfe und Kontrolle. Denn der Sicherheitsanspruch kann überdehnt werden, etwa indem die  Selbst- und Mitbestimmung der Adressatinnen und Adressaten dauerhaft eingeschränkt  wird, Kontrollinteressen sich verselbständigen und der ethische Bezug zu den Persönlichkeitsrechten verloren geht.


Trotz derartiger Befunde zählt Sicherheit keineswegs zu den grundlegenden Kategorien Sozialer Arbeit. Dies nimmt der 41. Sozialpädagogiktag zum Anlass, sich mit ausgewählten Aspekten dieser Thematik zu befassen. Die Fragen dazu lauten: Welche Sicherheitsverständnisse lassen sich unterscheiden? Wie konkretisiert sich sicherheitsbezogenes Handeln in den Feldern Sozialer Arbeit? Wie ist es mit der Sicherheit von AdressatInnen und Fachkräften Sozialer Arbeit bestellt? Welche sicherheits-politischen Perspektiven gibt es? Wieviel Verunsicherung lösen sicherheitspolitische Perspektiven aus?